Der Untertan

Es stieß schon oft der Fortschrittswahn an finanzielle Grenzen an, dann braucht man den Untertan.
Wenn uns´re Chefs was Tolles sagen, dann darf man das nicht hinterfragen, Wissen soll uns da nicht plagen.
Der Glauben passt zur Osterzeit, die Schlussbilanz ist noch sehr weit. Das Geld, das wir ans Kreuz geschlagen, wird auferstehn in fernen Tagen.
Der Chef ist dann schon lange fort, gedenkt dann seiner an dem Ort. Hat man sich finanziell vertan, ewig grüßt der Untertan.
Er sonnte sich in Seiner Huld und geht es schief, er war nie schuld!

Dr. Klaus Leuner

Was hat der Bau eines Parkhauses mit der Anschaffung eines Hundes zu tun?

Es wuchs, die Abschweifung sei mir zu Beginn erlaubt, der Wunsch in Teilen der Familie, sich etwas anzuschaffen, was nicht nur für tägliche Mobilität sorgt, sondern auch eine gewisse Beachtung sichere,  mit welchem man sich sehen lassen kann, einem, nein keinem Auto, ich bitte Sie, einem  dieser kleinen, niedlichen, und treuen Begleiter  des Menschen, gemeint ist canis lupus domesticus, der gewöhnliche Haushund, das süße Hündchen. Jeder verband damit Visionen, die Kinder sahen den Spielgefährten, die Oma ein Objekt der bedingungslosen Zuwendung, welches ohne Widerworte alles über sich ergehen lässt, der Vater die Möglichkeit seinen pädagogischen Fähigkeiten endlich freien Lauf zu lassen, so ein gehorsames Familienmitglied  schaffend und, dies ist nicht ohne Bedeutung, dem Familienstress mit dem Hinweis zu entfliehen, dass der Hund nun Auslauf benötige. Sein Wunsch nach einem Hund nährte sich auch aus diesen einschlägigen Hundesendungen im TV die immer wieder darauf verwiesen, wie attraktiv und sympathisch hundeführende Personen wirkten.  Und so wurde aus dem Hund etwas, in das jeder seine eigenen  Wünsche legte. Nun damit haben wir die erste Gemeinsamkeit zur Beantwortung der obigen Frage gefunden. Auch an das Parkhaus in Ilmenau heften  Personen vielfältige Wünsche und Hoffnungen.  Die einen möchten, dass sich die Stadt damit an die Spitze der Thüringer Bewegung für Elektromobilität stellt und die ihr gebührende Beachtung fände, andere freuen sich über den vermeintlichen Neid der Nachbarstädte.  Es gibt die, welche vor sich eine leuchtende Zukunft mit wasserstoffdüsenden Fahrzeugen sehen und die mit profaneren Wünschen, etwa einfach nur auf unbezahlten Stellplatz am Bahnhof hoffend. Mancher wünscht sich bloße Anerkennung der Wählerschaft, gewisse auch schlicht und einfach die Fördermittel. Zurück zum Hund. Alle schwelgten in froher Erwartung, eine jedoch war weniger angetan. Wir sprechen von der Hausfrau. In kluger Vorausschau und Kenntnis der Wirklichkeit wusste sie, wer am Ende die Verantwortung tragen würde. Damit sind wir bei der zweiten Gemeinsamkeit. Auch  im Ilmenauer Stadtrat wurden Bedenkenträger ausgemacht, wenige nur, aber die, welche sie ausmachten hängen einer eigentümliche Logik an: eine Sache wird umso wahrer, je mehr Personen an sie glauben. Folgen wir diesem Verständnis, so ist der Weihnachtsmann eine wichtige, tatsächlich existierende Person der Öffentlichkeit, wohlmöglich von ungleich höherer Bedeutung  als ein Bürgermeister und, um im Bild zu bleiben, Ilmenau braucht ein Parkhaus, weil wir daran glauben. Die wiederum, welche dem schieren Glauben das Wissen um Zusammenhänge entgegensetzen wollen, haben, so die Sicht und die Strafe, schwer zu tragen an ihren Bedenken. Geschieht ihnen recht, würde mancher da murmeln. Auch die Familie machte es sich leicht. Warum der Unkerei der Mutter Beachtung schenken, die Familie teilte lieber die Kölnische Grundweisheit: Et hätt noch emmer joot jejange. (Es ist bisher noch immer gut gegangen.)Fand sich bei der zugelaufenen Katze nicht ein mitfühlender Nachbar, der für sie sorgte und fanden die Zierfische nicht den Weg ins Toilettenbecken und fand sich nicht auch für das defizitäre erste Ilmenauer Mobilitätszentrum nahe dem Zentrum an der vielbefahrenen Karl-Liebknecht-Straße ein Pächter?  Angesichts dieser massiven, von fröhlicher Unbedarftheit strotzenden Debatte griff die treusorgende Mutter zum letzten Mittel. „Den ganzen Ärger will ich gern ertragen“ sagte sie, „aber  denkt an die Kosten.“ Da aber hatte sie den entscheidenden Fehler begangen. Lachend wurde ihr entgegengehalten, das der Onkel, der liebe, den Kauf des Hundchens sponsere. Hier nun trifft erneut Erzählung auf Wirklichkeit, auch in das Mobilitätszentrum genannte Parkhaus fließen erhebliche Fördermittel und niemand kann den schwer an ihren Bedenken tragenden Stadträten die tatsächlichen Kosten nennen. Et kütt wie et kütt. (Es kommt, wie es kommt.), könnte man mit rheinischem Jeckentum rufen. Allerdings wie die Geschichte mit dem Hund ausgeht ahnen wir, wie das mit dem Parkhaus ausgehen könnte, wagen wir nicht einmal zu ahnen.

Karl-Heinz Mitzschke

Rede Aschermittwoch 2017 - Rollmops 17

Rollmops 17

Es freut mich, dass wir fast  alle wieder hier versammelt sind. Das wir heute hier feiern können, verdanken wir der guten HH-Lage. Die hätten wir im letzten Stadtrat fast gefährdet. Er existiert nämlich doch, der Zusammenhang zwischen Feste feiern und feste zahlen und zwar in beiden Richtungen, es sei denn, es zahlt ein Anderer oder der Wirt schreibt hoffentlich an.
Die Neinsager sollten zugeben, dass das der Hauptgrund war. Bald wären wir arm aber sexy gewesen. Gebt doch zu, dass ihr lieber gerade Striche auf dem Bierdeckel habt, als ungeordnete auf der Leinwand. Auch hier wäre die abstrakte Kunst die Lösung: weißer Strich auf weißem Bierdeckel, des Wirtes neue Leiter! Interessant dabei die Betrachter: Ah und Oh beim Kunstfreund, bittere Mine beim Wirt. Aber auch der muss Opfer für die Kunst bringen! Dabei habt ihr aber in Kauf genommen, dass jetzt die akademische Jugend weiter technizistisch verblödet. Das wäre nur durch Ackermann zu korrigieren gewesen. Jetzt müssen die mit einer Galerie vorlieb nehmen. Vielfalt verwirrt nur. Auch das Geld macht nicht glücklich. Es ist nichts, wenn man es nicht mehr hat sondern Andere.
Rollmops ist immer eine Gelegenheit, besondere Höhe- und Sorgenpunkte zu verarbeiten.

Zuerst natürlich die Wahl des US-Präsidenten und der May-Day in GB. Wir haben daran hoffentlich keinen Anteil durch den Besuch in Blue Ash. Fakt ist aber, dass unsere Delegation ideologisch nicht effektiv gekämpft hat. Der Staat ist jetzt Trump-Staat. Da bleibt uns nur eine Grußbotschaft mit der Versicherung der unverbrüchlichen Freundschaft! Hoffentlich ist die wesentlich stärkere amerikanische Delegation nicht erfolgreicher und wir bekommen auch einen Bau- und Immobilienunternehmer als Chef.

Dieses Jahr haben wir durch die Neujahrsansprache des OB endlich wieder eine Orientierung für´s Leben. Durch das letzte Jahr mussten wir wegen technischer Schwierigkeiten-hä?- ohne wegweisende Worte taumeln. Die Ergebnisse sieht man vor allem international. Trotzdem weiß ich jetzt immer noch nicht, wie das mit dem alten China war und wie sich das Flugwesen so entwickelt.
Was ist neu im Stadtrat?

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Rede Aschermittwoch 2018 - Rollmops 18

Rollmops 18

So ein Heringsessen ist ja neben der Neujahrsansprache des OB die zweite große Gelegenheit zur Rechenschaftslegung. In der 1. stehen mehr die ganz großen Erfolge im Vordergrund. Auf einen Satz möchte ich doch noch eingehen, weil hier der Unterschied von zwei Predigten deutlich wird. Der OB sagte „Landräte werden spätestens am Tag der Amtseinführung zu Fürsten“. In der Bergpredigt steht:  „Warumm siehst du den Splitter im Auge deines Bruders, aber den Balken in deinem Auge bemerkst du nicht?“ (Matthäus 7,3 EU). Schade, dass es kein Christenlehrjahr gibt.

Aschermittwoch ist schon dem Namen nach mehr geeignet zur Selbstkritik. Was haben wir nicht oder fast geschafft. Hier einige Splitter im Fleisch

Ein sehr geräuschvolles Thema(und das vor der Nutzung) war nach dem Vorbild von Clochmerle eine neue Toilette, die leider zu sehr inhaltlich eingeengt wurde. Das sind die Folgen, wenn keine Machbarkeitsstudie gemacht wird. Eine solche Studie hätte sicher eine Reihe zusätzlicher Nutzungsmöglichkeiten mit Synergieeffekt aufgezeigt, wie z.B.
1. eine Kombination mit einer Hundetoilette zur gemeinsamen Nutzung,
2. eine Bank für das Jubiläum von Stadtrat und OB. In der billigen Variante Schild auf dem
    Klodeckel,
3. ein Wassertretbecken durch sinnvolle Nutzung des Spülsystems mit Wärmetauscher
    dadurch wird auch die  Reinigung kostensparend erleichtert,
4. nach jeder erfolgreichen Verrichtung ein Kleinfeuerwerk und
5. eine Möglichkeit den City-Manager unterzubringen.
Das wäre doch mal eine nette Toilette. Vielleicht könnten wir statt Lizenzgebühren zu zahlen mal welche einnehmen! Damit werden auch Hängepartien abgearbeitet und das halbe Wahlprogramm der FW realisiert! Die mögliche künstlerische Aufwertung hatte ich schon im letzten Jahr an dieser Stelle aufgezeigt. Jetzt muss möglicherweise der Reprü noch den Verbrauch von Papier und Reinigungsmittel prüfen, um höchstrichterlich eine Entscheidung zu erzwingen. Zu beachten ist allerdings, dass eine mögliche U-Bahnstation ohnehin mindestens eine Toilette hat. Das Zögern der Verwaltung lässt vermuten, dass bereits konkrete Pläne existieren

Es wurde wieder eine Chance verpasst, den G20-Gipfel nach Ilmenau zu holen. Warum Hamburg und nicht Ilmenau? Eine Insel ist doch geeigneter. Wirsind die Insel der Glückseligen! Dabei hätte das eine große Chance bedeutet.
1. Neue Touristenrekorde mit interessanten Menschen auf dem Gipfeln und ringsum. Die
   Tourismuskonzeption wäre zu Leben erwacht, Ilmenau hätte in der Weltgeschichte endlich
   den gebührenden Platz eingenommen,
2. die Festhalle wäre schon eher saniert worden,
3. wir hätten in diesem Zusammenhang endlich mal wieder die Straße des Friedens sanieren
   können und
4. die Ilmenauer Stauplaner (mit ihrem Motto: Was ist das Stehen im Stau gegen das
    Organisieren eines Staus) hätten endlich das Maximalziel, totale Lahmlegung
    des Verkehrs,  erreicht.
Vertan die Chance!

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Rede Aschermittwoch 2015 - Rollmops 15

Alle da? Es gab ja auch keine Boykottdrohung in Funk und Fernsehen.
Ham se mal een Euro für mich? Kriejen se ooch nich wieder.  Wozu ich den brauche? Sie wissen doch: Die Linken können nicht mit Geld umgehen. An Anfang lief es ja noch gut. Da hatte ich noch die Mio, die jeder Genosse aus dem Parteivermögen bekam, nun ja, nicht alle. Einige waren zu zeitig ausgetreten. Die DDR hatte ja noch so viele Überschüsse, wahrscheinlich weil keine Linken an der Regierung waren. Aber in Gera, das immer bolschewistisch regiert wurde oder Berlin. Wenn die Schulden machen, kann es nur an Stasi-Machenschaften liegen. Also auch Weizsäcker, Diepgen und Wowereit. Das ist der Beweis, unsere Besten können nicht irrren!

 Das viele Geld musste ja irgendwie weg. Das verursacht nur Alpträume. Einen will ich schildern. In der Familie konnte ich als „ideologischer Überzeugungstäter“ weder in den Vorstand noch in den Aufsichtsrat gelangen. Der wurde mit Kindern aufgefüllt. Meine Frau argumentierte, sie sei ja schließlich Familie. Es sei auch besser, wenn glatt durchregiert wird. Da kann man keinen Widerspruch gebrauchen. Zuwendungen und Postenvergabe sind so unkompliziert möglich. Da hat sie viel von der alten Landesregierung gelernt. Deshalb war es ja so schwierig, sich von der Macht zu trennen. Man kann ja nicht alle Leute in der Verwaltung und dem Verfassungsschutz unterbringen. Da braucht man schon mehr Gremien. Zum Glück gibt es ja noch die Kommunen.

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