Die Leserbriefe sind Ausdruck der persönlichen Meinung unserer Leser.

Diese müssen nicht dem politischen Willen des Stadtverbandes Ilmenau
der Partei "Die Linke" entsprechen.


Mahngang in Bornhagen!

Liebe Genossinnen und Genossen,

aufmerksam habe ich den Aufruf zum Mahngang in Bornhagen gelesen, und es fällt mir auf, dass von einem Höckedorf gesprochen wird. Ich lese weiter, die Aufrufer haben ihren Sitz in Kirchheim, in dem wir nicht nur einmal standen, unseren Protest gegen rechte Veranstaltungen im dortigen Gasthof zu zeigen. Käme jemand auf den Gedanken, Kirchheim als rechtes Kaff zu bezeichnen? Was würden die Aufrufer sagen, wie würden sie sich fühlen, geschehe dies?

Es ist zum einen diese Art des Generalverdachtes, der Generalverurteilung, des „in die Eckestellens“ eines ganzen Dorfes, welches  mir in diesem Zusammenhang nicht zum ersten Mal begegnet und welches ich nicht akzeptieren kann.

Es ist zum anderen, bitte entschuldigt, diese verdammte intellektuelle Klugscheißerei, die nur, so scheint mir, dazu dient das eigene kleine Klientel zu befriedigen, und fröhliche Urstände ob eines vermeintlichen Sieges zu feiern. So sieht linke Politik, gar antifaschistischer Widerstand nicht aus. So kann er nicht aussehen, wenn sich die Initiatoren nur ein wenig geschichtsbewusst zeigten. Ich habe die Schwäche, hin und wieder in meinem DDR- Wissen zu kramen. Zu diesem Punkt fällt mir Dimitroff ein. Er sprach bezüglich des Faschismus von der „offenen, terroristischen Diktatur der reaktionärsten, chauvinistischsten, am meisten imperialistischen Elemente des Finanzkapitals“. Muss man nun noch fragen, gegen wen sich antifaschistische Aktionen zu richten haben? Ich bin weit davon entfernt mich gegen Aktionen, Demonstrationen oder andere –ionen zu wenden, wenn sie nur dieses eine zum Ziel haben, Bündnisse zu schmieden. Wenn sie nur dazu dienten, viele Menschen für linke Politik zu gewinnen. Was sich aber in Bornhagen abspielte, geht völlig am Kern linken Politikverständnisses vorbei. Die Initiatoren ließen nicht etwas von unten wachsen, sie nahmen niemanden mit, sie stießen ab. Weil sie sich in Besitz der Wahrheit und des historischen Rechtes wähnten, schadeten sie mehr als,… nein ich kann keinen Nutzen sehen, sie schadeten. Schlimm ist für mich nur, Teile unseres Landesvorstandes machten mit. Ich bin traurig.

Karl-Heinz Mitzschke

Dieser Mann ist nicht wählbar

Da fand ich doch drei Tage vor der Bundestagswahl einen Handzettel in meinem Briefkasten, natürlich auf Hochglanz gedruckt. Der Herr OB Seeber wollte mir in seiner unendlichen Güte behilflich sein, mein Kreuzchen beim nach seiner Meinung richtigen Kandidaten zu machen. Das ist ja alles sehr nett, aber was der Herr Schipanski, mit dem er sich da am Hennebrunnen so einträchtig und voller Harmonie präsentiert, verspricht, ist zum einen viel zu allgemein und nichtssagend und zum anderen hatten die gewendeten Unionsfreunde vor dem Herbst 2017 alle Möglichkeiten zur Umsetzung einiger halbwegs konkret klingender Versprechungen gehabt und nicht genutzt. Da will er also für „eine starke Stimme Thüringens“ im Bundestag sorgen. Aha, und was heißt das, was ist darunter zu verstehen? Er will für eine bessere Ausstattung von Kinderkrippen und Kindergärten, wofür in der BRD wegen des sperrig klingenden Begriffs „Kindertagesstätte“ die scheußliche Abkürzung „Kita“ erfunden wurde, und für mehr Plätze in diesen Einrichtungen sorgen. Warum ist das bislang nicht gemacht worden? Es war doch genügend Zeit dafür gewesen. Zu anderen wichtigen Problemen äußert er sich gar nicht, aber eine Abschaffung von „Hartz IV“ steht für ihn ja ohnehin nicht zur Debatte. Im Gegenteil wurden die Opfer dieses Unrechts von Armut per Gesetz an seinem CDU-Stammtisch auch noch verhöhnt, als die gutdotierten Damen und Herren dieser Partei meinten, das „ALG II“ sei völlig ausreichend. Der berühmte Apotheker Friedrich Sertürner hatte es immerhin auf sich genommen, die von ihm entwickelten Medikamente im Selbstversuch auf ihre Wirkung zu testen. Herr Schipanski würde sich nicht einmal ein Jahr den Schikanen, Bevormundungen und Demütigungen des „Jobcenters Ilm-Kreis“ - selbstverständlich bei Sperrung seines doch sicher sehr noblen Bankkontos – unterwerfen. Er hat sich auch nie gegen die so schändliche wie hochgefährliche Kriegsbeteiligung der BRD geäußert, sondern diese im Gegenteil auch noch gerechtfertigt und verteidigt. Er hat auch nicht dagegen protestiert, dass sich die BRD weigert, der von 123 Mitgliedsstaaten der UNO unternommenen Initiative zum vertraglich vereinbarten weltweiten Verbot von Kernwaffen anzuschließen. Hat er nie Bilder von Hiroshima und Nagasaki gesehen? Glaubt er, die BRD würde von einer atomaren Auseinandersetzung verschont bleiben? Nach alldem kann ich nur eine Feststellung treffen: Dieser Mann ist nicht wählbar.

H.-J. Weise

Demokratie – was ist das eigentlich?

Christian Carius (CDU) hat laut „Thüringen-Journal“ des MDR nicht nur aufgefordert, zur Wahl zu gehen. Er hat auch verlangt, froh darüber zu sein, dass man seit 27 Jahren in „der Demokratie“ leben dürfe. Allerdings hat der 1989 noch im zarten Pionieralter gewesene Herr Landtagspräsident nicht gesagt, wodurch sich diese von ihm so verabsolutierte Demokratie auszeichnet. Er hat auch mit keiner Silbe gesagt, weshalb sie nicht ohne die Unfreiheit der Arbeitslosigkeit, das Unrecht von Armut per Gesetz einschließlich Kinder- und Altersarmut sowie die schändliche und hochgefährliche Kriegsbeteiligung auskommt. Ebenso fehlt eine überzeugende Erklärung dafür, dass zwar für und gegen alles Mögliche und Unmögliche demonstriert und protestiert werden kann, am Ende aber doch das durchgesetzt wird, was die Regierenden wollen – siehe „Stuttgart 21“ und die Stromtrasse durch den Thüringer Wald. So hat man bei Lichte besehen, DIE LINKE ausgenommen, lediglich die Wahl zwischen fünf „Hartz IV“- und Kriegsparteien. Das ist wie die Möglichkeit der Wahl zwischen Pest und Cholera.

H.-J. Weise

„Schwerter zu Pflugscharen“ - zwischen ehrlichem Friedenskampf und Missbrauch

Laut MDR nahmen am Jenaer Ostermarsch 150 Menschen teil. Das ist leider nicht eben viel und das mitgeführte Transparent „Schwerter zu Pflugscharen!“ wurde allenfalls nebenbei erwähnt. Da fehlte mit Roland Jahn mindestens der 151. Teilnehmer, war der doch schon vor mehr als 30 Jahren mit dieser Losung durch das Stadtzentrum gezogen. Die damals gewiss nicht zufällig anwesenden Kameras von ARD und ZDF aber machen ebenso wie sein heutiges Schweigen zu Rüstung und Kriegsbeteiligung deutlich, dass es um etwas ganz anderes gegangen und die Forderung folglich gar nicht ehrlich gemeint war. Das bestätigt übrigens auch der einst wegen Verweigerung des Wehrdienstes in der NVA als „Vorzeige-Pazifist der DDR“ gefeierte und nun als Bundestagsabgeordneter der CDU die so schändlichen wie hochgefährlichen Kriegseinsätze rechtfertigende und verteidigende Pfarrer Eppelmann. Nicht vergessen werden darf zudem der die der UNO von der UdSSR geschenkte Plastik „Schwerter zu Pflugscharen“ gezeigt habende Aufnäher, mit dem die politische Führung der DDR nicht vernüftig umzugehen verstanden hatte: Zu dessen 30. Jahrestag ließ sich der einstige Jugendpfarrer der Evangelischen Landeskirche Sachsen, Harald Bretschneider, als dessen Erfinder feiern. Als Festredner hatte er prompt den damaligen Bundesverteidigungsminister und heutigen Innenminister Thomas de Maiziére erkoren. Pfarrer Bretschneider störte sich mit keiner Silbe an dessen Rechtfertigung und Verteidigung der alle bitteren Lehren aus den beiden bislang schlimmsten Katastrophen in der deutschen, europäischen und Weltgeschichte tagtäglich mit Füßen tretenden Kriegseinsätze. Solche als „friedensbewegt“ verbrämte antikommunistische Unehrlichkeit war 1982 ebenso in Ilmenau zu erleben gewesen: Beim von der FDJ organisierten Protestmarsch gegen die NATO-Hochrüstung suchte man Mitglieder jenes „kirchlichen Friedenskreises“ vergeblich. Man wolle sich nicht „vereinnahmen lassen“ hieß es zur Rechtfertigung und tat es in Wahrheit doch: Von Protesten gegen die in den bundesdeutschen Medien erfolgte Bejubelung als angeblich „unabhängige Friedensbewegung der DDR“ war nichts zu hören gewesen. Da freilich guten Gewissens ausgeschlossen werden kann, dass die auf den rechtssozialdemokratischen Bundeskanzler Helmut Schmidt zurückgehende, auf Fälschungen und faulen Tricks beruht habende „Entdeckung“ einer angeblichen „Raketenlücke“ auf Seiten der NATO jenen „Friedensbewegten“ unbekannt war, lässt sich nur eines schlussfolgern: Wie schon bei Roland Jahn ging es auch jenen unter dem schützenden Mantel der Kirchen auftretenden Kreisen nicht um die Sicherung des Friedens, nicht um den Kampf für allgemeine und vollständige Abrüstung. Es ging ihnen um den Missbrauch als Kampfmittel gegen die DDR im Dienste dessen, was seit Egon Bahr auch gerichtsmotorisch ist: „Die Politik der Bundesrepublik Deutschland war darauf gerichtet, die DDR zum Verschwinden zu bringen.“

 

Hans-Joachim Weise

Er war einer der letzten Überlebenden der Hölle von Auschwitz

Gustav Schliefke in Ilmenau war einer der wenigen, die Auschwitz überlebten und einer der ganz wenigen, die auch 70 Jahre später noch am Leben waren. Wenn er sprach und sich erinnerte, dann tat er das so lebhaft und anschaulich, als wäre es gestern erst gewesen. Die dicke Hornbrille verdeckte die Falten, die ihm sein Schicksal ins Gesicht gezeichnet hatte. Er war freundlich und humorvoll, er sprach ohne eine Spur von Verbitterung. Alle Fragen beantwortete er geduldig. Wenn aber die Rede auf den von den Nazis verbreiteten Völkerhass, auf die Unmenschlichkeit von Gestapo und SS beispielsweise kam, dann fiel es ihm schwer, den vorher so ruhigen Ton beizubehalten. Dann spürte man, was er damals durchlebt und durchlitten hatte, gleichsam am eigenen Leib. Dann sah man auch die Spuren, die jene Hölle bei ihm hinterlassen hatte, sah die Wunden, die ihm Gestapo und SS zugefügt hatten. Auch wenn diese Wunden längst verheilt waren - die Narben, die davon blieben, konnten nicht ausgelöscht werden. Und die der Seele zugefügten Verletzungen heilten ohnehin nie. Die blieben bis an das Ende seines Lebens.

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