Die Leserbriefe sind Ausdruck der persönlichen Meinung unserer Leser.

Diese müssen nicht dem politischen Willen des Stadtverbandes Ilmenau
der Partei "Die Linke" entsprechen.


Es war kein Tauschgeschäft

Es ist durchaus erstaunlich, mit welcher Zähigkeit und Hartnäckigkeit sich Unkenntnis und daraus entstehende falsche Meinungen halten können. So war im Zusammenhang mit dem 70. Jahrestag von Befreiung und Kriegsende wieder von einem Tausch Sachsens und Thüringens (siehe beispielsweise „FW“ vom 25. April) gegen das westliche Berlin als Grund für den Abzug der US-amerikanischen und den Einzug der sowjetischen Truppen die Rede. Dazu ist erst einmal klarzustellen, dass nicht das gleichnamige Land, sondern die preußische Provinz Sachsen gemeint ist, die im Zuge der Auflösung Preußens durch Vereinigung mit dem Kleinstaat Anhalt zum Land Sachsen-Anhalt erhoben wurde.

Weiterlesen: Es war kein Tauschgeschäft

Eine neue Schwimmhalle, aber wo und wie?

Wenn Ilmenau tatsächlich eine neue und vor allem größere Schwimmhalle braucht, sollte auch ein sechster in Frage kommender Standort geprüft werden: Wie mir bekannt ist, gibt es ebenso die Möglichkeit, vorhandene Freibäder zu nutzen, indem das bzw. die Schwimmbecken mit einer Halle umbaut werden, deren Dach und Wände im Sommer teilweise oder zur Gänze öffnungsfähig sind. Das würde die Neuerrichtung von Schwimmbecken und Aufbereitungs- sowie Vorwärmanlagen ersparen und zudem die ganzjährige Nutzung des Freibades Hammergrund gestatten. Eine Schließung von Dach und Wänden an kühlen und regnerischen Sommertagen würde eine solche Schwimmsportstätte auch in dieser Jahreszeit von Witterungseinflüssen unabhängig machen und damit geringeren Besucherzahlen entgegenwirken. Mit der Bus-Haltestelle Hammergrund ist eine Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr vorhanden und sollte die Linie 300 Ilmenau – Frauenwald/Suhl nicht ausreichen, wäre auch die Verlängerung einer der Stadtlinien zu überlegen.

Weiterlesen: Eine neue Schwimmhalle, aber wo und wie?

Hugo Brünnert – er wird uns fehlen

Wenn ein Mensch nach 85 reich an Arbeit, Wissen und Erfahrung gewesenen Lebensjahren, guter und erfolgreicher wie auch weniger guter oder gar leidvoller, von uns geht, ist das – nüchtern betrachtet – nicht ungewöhnlich. Und dennoch ist es ein schwerer Verlust – für seine Familie ebenso wie für alle, die ihn gut kannten und schätzten, und nicht zuletzt für die Partei DIE LINKE. Mit Hugo Brünnert verlieren wir einen Genossen, der zu denen gehörte, die in schwerer Zeit nicht verzagten, nicht die Flinte ins Korn warfen, nicht davonliefen, sondern kritisch nachdachten über Fehler, Fehlleistungen und Versäumnisse. Er gehörte zu jenem im Vergleich zur bisherigen, nach Millionen von Mitgliedern zählenden Partei leider nicht sehr groß gewesenen „Fähnlein der sieben Aufrechten“, die allem Hass und allen Anfeindungen zum Trotz einen Neuanfang wagten. Wenn heutige selbsternannte „Bürgerbewegte“ in ihrem blindwütigen Antikommunismus gegen DIE LINKE und ihre Vergangenheit wettern, obwohl die SED zwar die wichtigste, aber eben auch nur eine ihrer Vorgängerparteien ist, dann meinen sie nicht die damals Davon- oder gar zu Grünen, SPD, FDP und CDU Übergelaufenen.

Weiterlesen: Hugo Brünnert – er wird uns fehlen

Nelson Mandela oder Ilmenauer Schwierigkeiten mit der Wahrheit

Natürlich ist es löblich, dass Nelson Mandela nun endlich wieder verdienter Ehrung teilhaftig werden soll, doch scheint das derzeitige Handeln eher dem Grundsatz „Wasch' mir den Pelz und mach' mich nicht nass!“ zu folgen: So wird nämlich elegant der kritischen Auseinandersetzung mit dem damals zu neuerlicher Herrschaft gebrachtem alten Zeitgeist aus dem Wege gegangen. Die Schändung des verpflichtenden Namens „Nelson Mandela“ war keineswegs nur Übereifer oder Versehen geschuldet, sondern schneller Anpassung an den in der BRD quasi zu einer Art Staatsreligion erhobenen Antikommunismus. Den aber hatte schon der bürgerliche Humanist Thomas Mann als „die Grundtorheit unserer Epoche“ gegeißelt gehabt. Ebenso elegant wird die Auseinandersetzung mit der völlig unterschiedlichen Haltung beider deutscher Staaten zum südafrikanischen Apartheid-System vermieden: Während die DDR mit der Anti-Apartheid-Bewegung und dem ANC als deren wichtigster Kraft solidarisch war, unterhie  lt die BRD nicht nur enge politische, wirtschaftliche und auch militärische Beziehungen zur jeweiligen Apartheid-Regierung, sondern verweigerte sich ebenso jedem Boykott. Selbst Willy Brandt gab sich mit Erklärungen wie der „daß man Handel und Politik nicht ohne Not koppeln soll“ alle Mühe, die massive Kritik in der eigenen Partei kleinzuhalten und Franz Josef Strauß zählte gar zu den Befürwortern der Apartheid. Das alles sind nun freilich keine Neuigkeiten, sondern längst bekannte und auch beim Internet-Lexikon WIKIPEDIA nachlesbare Tatsachen. Über die aber kann man nicht einfach hinweggehen. Natürlich kann man die Bahnhofsbrücke nach Nelson Mandela benennen, man kann mit einer Tafel an sein Wirken erinnern und ein Porträtbild auf dieser wäre durchaus angebracht. Die ehrlichste Lösung allerdings wäre, der Schule den Namen zurückzugeben und dessen damalige Tilgung als schweren Fehler anzuerkennen. Heinrich Hertz verbliebe in solchem Falle immer noch doppelte Ehrung, trägt doch nicht nur die Straße, sondern auch die zur Schule gehörende Sporthalle seinen Namen.

H.-J. Weise

Vor 20 Jahren – Lehrstunden in Sachen Geschichte

Mit Emil Carlebach war 1994 einer der „Väter“ der hessischen Landesverfassung und Opfer politischer Verfolgung zu Gast in Ilmenau, rechts Kreisvorsitzender Eckhard Bauerschmidt. Kurt Julius Goldstein gehörte zu den wenigen kommunistischen Widerstandskämpfern, die auch nach 1990 öffentliche Ehrungen erfuhren Das gegen Jupp Angenforth verhängte Zuchthausurteil führte selbst im Bundestag zu heftiger Kritik an der Politik der Regierung Adenauer

Eine dieser Lehrstunden lag bereits 2014 insgesamt 20 Jahre zurück, die beiden anderen werden 2016 folgen. So ist es wohl nicht falsch, sich zur Erinnerung daran angesichts im wesentlichen gleicher Schicksale der Betroffenen für die Mitte zwischen beiden Jahren zu entscheiden:

Am 21. Februar 1994 weilte mit Emil Carlebach (10.07.1914 – 09.04.2001) einer der „Väter“ der hessischen Landesverfassung auf Einladung der damaligen PDS zu einem Gesprächsabend in der „Alten Försterei“. Mit ihm war ein Mann zu Gast, der eine ganze Menge von dem durchmachen musste, was das Leben an Fährnissen Menschen aufbürden kann: Im „Dritten Reich“ schon 1934 wegen der Verbreitung antifaschistischer Schriften zu drei Jahren Gefängnis verurteilt, war er nach der Entlassung zunächst in das KZ Dachau und 1938 in das KZ Buchenwald verschleppt worden, wo er der illegalen Widerstandsorganisation angehörte. Nach der Befreiung war er Stadtverordneter in Frankfurt/Main, Mitglied des hessischen Landtags, als solches an der Ausarbeitung der Landesverfassung beteiligt und zudem einer der Lizenzträger der „Frankfurter Rundschau“ sowie Vizepräsident des Internationalen Buchenwald-Komitees. Auf Befehl des US-amerikanischen Militärgouverneurs General Lucius D. Clay  wurde der jüdische Kommunist Carlebach bereits 1947 aus der Redaktion der „Frankfurter Rundschau“ entfernt und nach dem KPD-Verbot wegen illegaler Tätigkeit für die Partei strafrechtlich verfolgt. Deshalb in die DDR emigriert kehrte er 1969 zurück und betätigte sich bis zu seinem Tode aktiv in der DKP, der VVN-BdA und der Deutschen Journalisten-Union.

Weiterlesen: Vor 20 Jahren – Lehrstunden in Sachen Geschichte