Rede Aschermittwoch 2018 - Rollmops 18

Rollmops 18

So ein Heringsessen ist ja neben der Neujahrsansprache des OB die zweite große Gelegenheit zur Rechenschaftslegung. In der 1. stehen mehr die ganz großen Erfolge im Vordergrund. Auf einen Satz möchte ich doch noch eingehen, weil hier der Unterschied von zwei Predigten deutlich wird. Der OB sagte „Landräte werden spätestens am Tag der Amtseinführung zu Fürsten“. In der Bergpredigt steht:  „Warumm siehst du den Splitter im Auge deines Bruders, aber den Balken in deinem Auge bemerkst du nicht?“ (Matthäus 7,3 EU). Schade, dass es kein Christenlehrjahr gibt.

Aschermittwoch ist schon dem Namen nach mehr geeignet zur Selbstkritik. Was haben wir nicht oder fast geschafft. Hier einige Splitter im Fleisch

Ein sehr geräuschvolles Thema(und das vor der Nutzung) war nach dem Vorbild von Clochmerle eine neue Toilette, die leider zu sehr inhaltlich eingeengt wurde. Das sind die Folgen, wenn keine Machbarkeitsstudie gemacht wird. Eine solche Studie hätte sicher eine Reihe zusätzlicher Nutzungsmöglichkeiten mit Synergieeffekt aufgezeigt, wie z.B.
1. eine Kombination mit einer Hundetoilette zur gemeinsamen Nutzung,
2. eine Bank für das Jubiläum von Stadtrat und OB. In der billigen Variante Schild auf dem
    Klodeckel,
3. ein Wassertretbecken durch sinnvolle Nutzung des Spülsystems mit Wärmetauscher
    dadurch wird auch die  Reinigung kostensparend erleichtert,
4. nach jeder erfolgreichen Verrichtung ein Kleinfeuerwerk und
5. eine Möglichkeit den City-Manager unterzubringen.
Das wäre doch mal eine nette Toilette. Vielleicht könnten wir statt Lizenzgebühren zu zahlen mal welche einnehmen! Damit werden auch Hängepartien abgearbeitet und das halbe Wahlprogramm der FW realisiert! Die mögliche künstlerische Aufwertung hatte ich schon im letzten Jahr an dieser Stelle aufgezeigt. Jetzt muss möglicherweise der Reprü noch den Verbrauch von Papier und Reinigungsmittel prüfen, um höchstrichterlich eine Entscheidung zu erzwingen. Zu beachten ist allerdings, dass eine mögliche U-Bahnstation ohnehin mindestens eine Toilette hat. Das Zögern der Verwaltung lässt vermuten, dass bereits konkrete Pläne existieren

Es wurde wieder eine Chance verpasst, den G20-Gipfel nach Ilmenau zu holen. Warum Hamburg und nicht Ilmenau? Eine Insel ist doch geeigneter. Wirsind die Insel der Glückseligen! Dabei hätte das eine große Chance bedeutet.
1. Neue Touristenrekorde mit interessanten Menschen auf dem Gipfeln und ringsum. Die
   Tourismuskonzeption wäre zu Leben erwacht, Ilmenau hätte in der Weltgeschichte endlich
   den gebührenden Platz eingenommen,
2. die Festhalle wäre schon eher saniert worden,
3. wir hätten in diesem Zusammenhang endlich mal wieder die Straße des Friedens sanieren
   können und
4. die Ilmenauer Stauplaner (mit ihrem Motto: Was ist das Stehen im Stau gegen das
    Organisieren eines Staus) hätten endlich das Maximalziel, totale Lahmlegung
    des Verkehrs,  erreicht.
Vertan die Chance!

Endlich sind auch die Freien Wähler als Wahlfälscher entlarvt worden. Sie können zwar frei wählen aber eben nicht den Richtigen. Eine gezinkte Wahl also! Dann noch Posten im Hinterzimmer verteilen.  Bernd , mir graut vor Dir! Ich hatte schon gedacht mit der geplanten gerichtlichen Auseinandersetzung Sandmann – Leuner, sei der Tiefpunkt erreicht worden. Dort wurde wenigstens nicht meine Streichung aus dem Einwohnermelderegister verlangt. Jedenfalls ist jetzt wieder einer fast vom Eis befreit.

Nun etwas, was so hätte passieren können. Die dazu notwendige Energie wurde aber durch andere Themen abgelenkt.

Der OB hatte während seiner Morgenverrichtungen eine zündende Idee. Ilmenau hat noch keinen Kletterbaum. Der war in seiner Jugend sogar in Oehrenstock in Form eines Maibaumes vorhanden. Oben hingen Preise wie Süßigkeiten und Bockwüeste. Er bittet also Herrn Wilke, zu einem Termin. Zunächst ist die städtebauliche Verträglichkeit zu prüfen. Das Ergebnis wird von Herrn Wilke innerhalb eines Monats zugesichert. Desweiteren ist die Fördermittellage zu prüfen. Die üblichen Töpfe sind ziemlich ausgereizt. Eine Chance bietet die Strecke Energieeffizienz. Schließlich soll die Energie von den Nutzern kommen. Wenn man dann bei der Aufrichtung noch die klassische Seilzugtechnik nutzen würde, wäre weitere Energie eingespart, da ein Kran entfällt. Außerdem wäre ein Windrad auf der Spitze möglich. Der Kletterbetrieb wäre dann allerdings nur bei Windstille möglich.

Außerdem habe Wilke von einem neuen Programm mit dem Titel „Zukunft Baum“ gehört. Dort würden bestimmt gute Beispiele gesucht. Für eine Machbarkeitsstudie sollen also 50 T€ im HH einstellt werden. Das Hauptamt stimmt zu und beteuert: Wir haben noch leere Schubladen. Zur Not können wir auch die Lagerzeit von Studien auf 5 Jahre begrenzen.
Da dieses Projekt in die Planungskategorie „Persönlicher Wunsch des OB“ eingruppiert werden konnte, ging alles sehr schnell. Die Ausschüsse werden also um  eine Stellungnahme gebeten:

Bauausschuss:Das ist nur möglich, wenn der Baugrund untersucht wird, der notwendige Parkplatz muss durch eventuellen Neubau einer Zubringerstraße angebunden werden. Für den geplanten Standort werden wir eine Ortsbegehung machen.

WUV: Zustimmung, wenn kein einheimischer Baum dafür gefällt werden muss. Es darf auch keine Beeinträchtigung bereits stehender Bäume geben. Dazu ist eine Bodenuntersuchung erforderlich um eventuell vorhandenes Wurzelwerk nicht zu gefährden.

KUS: Das Vorhaben schließt eine empfindliche Lücke in der sportlichen Betätigung, vor allem von Kindern und Jugendlichen. Das Klettern am Baum sollte kulturell umrahmt werden. Dazu sollte der Fanfarenzug verpflichtet werden. Für die etwas schwächeren Nutzer empfehlen wir den Einsatz der Ilmenauer Gruselgugge, da man dadurch schneller auf dem Baum ist.  Eine entsprechende HH-Position ist vorzusehen. Zustimmung

Sozial und Gleichstellung: Das Vorhaben bewerten wir positiv. Es wird für die weitere Verbesserung der Kinder- und Jugendarbeit neue Impulse setzen. Vor allem für Kinder aus sozialschwachen Familien ist das eine Gelegenheit zur sozialen Integration und zur Selbstverwirklichung. Ein gutes emanzipatorisches Projekt!

RPA: Die Verwendung der vorgesehenen Mitte muss durch eine klare inhaltliche Konzeption begründet werden. Dazu werden wir die involvierten Amtsleiter vor den Ausschuss zitieren. Erst dann kann es eine Zustimmung geben.

Die Studie wird also on Auftrag gegeben und liegt nach einem halben Jahr vor. Die geforderten Baugrunduntersuchungen und planerischen Leistungen können also beginnen.
Im nächsten HH werden die erforderlichen Mittel eingestellt. Unklarheiten herrschen noch über den Parkplatz. Der muss auf das nächste Jahr verschoben werden.
Die Stellungnahmen der Fraktionen:

CDU: Wir stimmen unserem OB vollinhaltlich zu. Neben dem Kunstrad entsteht damit ein weiteres Highlight, dass vor allem auch durch unsere Neubürger zu nutzen ist, Durch entsprechendes Marketing im Gesamtortsverband und in ganz Thüringen wird sich Ilmenau als Treffpunkt unserer Menschen  festigen und weitere anspruchsvolle Aufgaben ermöglichen.
Wir regen an, zwei Bäume aufzustellen um den Wettbewerb schon bei den Kleinen zu fördern. Zwei Bäume sind eine kleine Galerie. Damit sehen wir auch den Stadtratsbeschluss, mit dem wir nichts zu tun haben, als erledigt an, und die Kritiker mögen damit verstummen. Dazu ist nach erfolgreichem Anlauf  die Privatisierung durchzuführen. Die FDP  konnte leider keine gesonderte  Stellungnahme abgeben, da das 2. Mitglied keinen Ausgang bekam.

Die Linke: Wir begrüßen, dass damit alte Traditionen der Arbeiterklasse wieder aufgegriffen werden. Vor allem zum 1. Mai ist der Baum entsprechend zu schmücken. Als Standort wird die Schlossmauer empfohlen. Wir fordern die CDU auf, die separaten Maifeiern einzustellen und gemeinsam den 1. Mai zu begehen. Die Bürger sollten bei dieser Entscheidung mit einbezogen werden. Das wäre auch die Wiederbelebung des NAW als SAW – Stadtaufbauwerk zu prüfen. Ansonsten sind wir stolz zur allseitigen Entwicklung des OB beigetragen zu haben.

BBW: Eine alte Idee von uns, die sich jetzt der OB zu eigen macht. Wir möchten einen möglichst naturbelassenen Baum. Das Geäst kann als Überholstrecke dienen. Sollte der Standort keinen Baum besitzen, ist der Stamm mit grüner Farbe zu übertünschen. Das Aufhängen von Bockwürsten als Belohnung lehnen wir ab. Eine Bedingung für unsere Zustimmung ist, dass kein Kredit aufgenommen wird.

FW: Sehr wohl ein interessantes Vorhaben. Dort ist auch eine Bank zu errichten. Wir fordern die Stadtverwaltung auf, Feuerwerke vorzusehen. Zunächst sollte aber eine öffentliche Toilette realisiert werden, sonst gibt es von uns keine Zustimmung.

SPD: Wir fordern als Standpunkt des Baumes das Teichgebiet, um das als internationales Erholunsgebiet, eine alte Forderung der SPD, weiter auszubauen. Dabei ist die Zusammenarbeit mit der TU zu suchen und entsprechende Fachgebiete in die Gestaltung einzubeziehen. Dazu sind eine Gesamtkonzeption und entsprechende Kooperationsvereinbarungen zu erarbeiten.

Auf der Heimfahrt bemerkte dann der OB, dass in Öhrenstock  ein Kletterbaum errichtet wurde. Die Kameraden der FW hatten das in aller Stille gemacht. Scheiß Langewiesen denkt der OB. Aber, ein leuchtendes Beispiel für die Sinnfälligkeit der Gebietsreform!
Das Projekt wurde übrigens auf Eis gelegt, da neue, größere Projekte in Angriff genommen werden. Der Stadtrat wird noch rechtzeitig vor Baubeginn informiert.

Apropos Gebietsreform:
Wir sind damit noch nicht ganz über dem Berg. Suhl hat an der einen Flanke mit Schmiedefeld und Gehlberg eine Vorwärtsverteidigung gegen Ilmenau gemacht. Die andere Flanke ist mit Großbreitenbach etwas schwach verteidigt. Wir haben aber mit Frauenwald  ein starkes Zentrum, das schon über den Berg reicht. Das war offensichtlich der eigentliche Sinn dieser Operation. Dort müssen wir weiter arbeiten. Dann liegt Franken uns zu Füßen.

Es gibt also noch viel zu tun. Packen wir es an. Wir müssen in Jahrzehnten und Jahrhunderten denken denken!