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Es war kein Tauschgeschäft

Es ist durchaus erstaunlich, mit welcher Zähigkeit und Hartnäckigkeit sich Unkenntnis und daraus entstehende falsche Meinungen halten können. So war im Zusammenhang mit dem 70. Jahrestag von Befreiung und Kriegsende wieder von einem Tausch Sachsens und Thüringens (siehe beispielsweise „FW“ vom 25. April) gegen das westliche Berlin als Grund für den Abzug der US-amerikanischen und den Einzug der sowjetischen Truppen die Rede. Dazu ist erst einmal klarzustellen, dass nicht das gleichnamige Land, sondern die preußische Provinz Sachsen gemeint ist, die im Zuge der Auflösung Preußens durch Vereinigung mit dem Kleinstaat Anhalt zum Land Sachsen-Anhalt erhoben wurde.

Der den Regierungsbezirk Erfurt gebildet habende thüringische Teil der vormaligen Provinz wurde dagegen in sein natürliches Umland eingegliedert, womit das Land Thüringen im Wesentlichen seine heute noch bestehende Gestalt erhielt. Die Anwesenheit US-amerikanischer Truppen in Thüringen und der Provinz Sachsen hatte sich einzig und allein aus dem Kriegsgeschehen ergeben. Die Grenzen der künftigen Besatzungszonen waren dagegen schon im Londoner Protokoll vom 12. September 1944 festgelegt worden. Die zwischen der Britischen und US-Amerikanischen Zone auf der einen und der Sowjetischen Zone auf der anderen Seite verlaufende Grenze richtete sich ausschließlich nach den vorhandenen Länder- bzw. preußischen Provinzgrenzen. Abweichungen in Form von Gebietsaustauschen wurden in solchen Fällen vereinbart, wo die Versorgungswege der Besatzungstruppen durch die Grenzen beeinträchtigt werden konnten. Der Rückzug der US-amerikanischen und britischen Truppen hinter die Grenzen ihrer Besatzungszonen erfolgte gemäß dem im Londoner Protokoll getroffenen gemeinsamen Festlegungen. Die Anwesenheit US-amerikanischer, britischer und dann auch französischer Truppen in Berlin einschließlich der Einrichtung entsprechender Besatzungssektoren war einzig und allein der Tatsache geschuldet, dass hier der Alliierte Kontrollrat als oberstes Regierungsorgan seinen Sitz nahm. Dabei wurden allerdings wichtige Fragen nicht beachtet und demzufolge auch nicht geregelt. So war Berlin beispielsweise nicht zu einer eigenen Besatzungszone erklärt worden, sondern blieb Bestandteil der auch von hier verwalteten Sowjetischen Besatzungszone, was in späteren Jahren bekanntlich weitreichende Folgen haben sollte.

H.-J. Weise

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